Barfuß über spitzen Stein

Prolog Gut und Böse

Kapitel I ♂ Neuland

Kapitel II ♀ Taumeltanz

Kapitel III ♂ Nachtschicht

Kapitel IV ♀ Kirschblüten

Kapitel V ♂ Aussichten

Kapitel VI ♀ Einsichten

Kapitel VII ♂ Schlüsselreize

Kapitel VIII ♀ Offensiven

Kapitel IX ♂ Offensichten

Kapitel X ♀ Offenheiten

Kapitel XI ♂ Offenbarungen

Kapitel XII ♀ Piratenbeute

Kapitel XIII ♂ Lippenlüstern

Kapitel XIV ♀ Sommerregen

Kapitel XV ♂ Regenwald

Kapitel XVI Fragen und Antworten

Kapitel XVII ♀ Retrospektive I

Kapitel XVIII ♂ Retrospektive II

Kapitel XIX ♀ Sinnrauschen

Kapitel XX ♂ Kontrapositionen

Kapitel XXI ♀ Sprachlosigkeiten

Kapitel XXII ♂ Abhängigkeiten

Kapitel XXIII ♀ Wichtigkeiten

Kapitel XXIV ♂ Nichtigkeiten

 


 Leseprobe: Neuland

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....Ich rekapituliere die Lage. Es ist Samstagabend. Ich sitze hier in der Bilbao-Bar und habe gerade meiner Begleitung in der Öffentlichkeit und theoretisch für alle sichtbar die Hände gefesselt, als sei es das Normalste der Welt. Und sie sitzt nun dort und saugt an ihrem Strohhalm, als sei es das Normalste der Welt, so abends auszugehen. Nicht etwa, weil ich es wollte, ließ sie sich hier von mir fesseln, sondern weil sie es wollte, habe ich es getan. Welch ein verrücktes Gefühl dies doch plötzlich ist, wenn ein schon so oft gedachtes und beschriebenes und sogar aufgeschriebenes Gedankenbild unerwartet zur Realität wird. Ich glaube, ich frohlocke gerade innerlich ein wenig, merke das aber wegen meiner Aufregung nicht. Ich versuche, die Situation zu greifen, ich weiß, da geht heute noch mehr. Bitte fesseln Sie mich, hörte ich sie sagen. Die Symbolik dieses Satzes geht mir durch Mark und Bein. Ich frage mich, warum? Ich frage mich gerade wirklich, warum?

Nun gut, vielleicht ist es doch geboten, dieses eigentlich nicht mehr sehr einfallsreiche Spielchen mit dem Höschen zu bemühen. Ich mache es einfach.

»Okay«, setze ich erneut an. »Warum spielen wir nicht ein kleines Spiel?«

Sie lacht: »Spielen möchten Sie also mit mir? Nur zu, was gibt’s zu gewinnen?«

»Gar nichts, aber vielleicht gewinnen wir beide etwas.«

»Aha, ich bin gespannt«, antwortet sie und richtet ihr Augenmerk wieder auf ihre aneinander gebundenen Handgelenke.

»Also hör zu! Ich möchte, dass du jetzt, so wie du bist, zur Toilette gehst und dort deinen Slip ausziehst und ihn mir bringst.« In der Erwartung, dass sie mir sogleich ein ‚Sie spinnen ja wohl‘ oder etwas Ähnliches zurückdonnert, pocht mir das Herz zum Anschlag.

»Ich soll allein zur Toilette gehen? Das kann eine Frau doch gar nicht«, kichert sie meine Anweisung zu meiner Erleichterung ins Spaßhafte.

»Nun, genau das ist ja gerade das Schwierige an der Aufgabe«, kontere ich.

»Und woher wissen Sie überhaupt, dass ich einen trage?«

Sie schaut aus den Augenwinkeln zu mir herüber, lächelt verboten verschmitzt und steht dann wortlos auf.

Mein Puls beschleunigt fast in den roten Bereich, während ich ihr hinterher sehe, wie sie laufstegreif durch die Menge der Gäste hindurch zur gegenüberliegenden Seite der Bar stolziert. Dort dreht sie sich kurz um, wirft noch einen provokant lächelnden Blick in meine Richtung und verschwindet durch die Tür auf die Damentoilette. Ich überlege, ob ich mir jetzt einen Tequila bestelle.....

 

 

 

Leseprobe: Lippenlüstern

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....Aber der eisige Würfel dient allein der Linderung ihres Schmerzes an ihren Handgelenken. Streichelnd berührt das gefrorene Wasser ihre geschundene Haut. Sie zuckt heftig zusammen, lässt aber kein Wort und kein Laut über ihre Lippen kommen. Sie ballt ihre schmalen Hände zur Faust, zieht sie jedoch nicht fort. Im Sonnenlicht glitzernde Tropfen rinnen in Kolonne an ihren Handgelenken hinab.

Langsam streift der Eiswürfel in meiner Hand nun die feinen Härchen auf ihrem Unterarm, entlässt jede Sekunde einen neuen Tropfen auf ihre Haut und nähert sich zielgerichtet ihren immer noch grasbehafteten Schultern.

Sie rührt sich keinen Millimeter. Sie zuckt nur ein wenig, fast unmerklich, reflexartig, aber bleibt trotz des Eises auf ihrer Haut still liegen. Dieser Ausdruck völliger Unterwerfung, mit dem sie hier vor mir kniet, raubt mir den klaren Verstand, es raubt mir jeglichen Bezug zur Realität. Ich weiß, dass dieser Zustand hochgefährlich sein kann, dass er unkontrollierbar werden wird. Ich weiß, dass ich schon gleich nicht mehr ich selbst sein werde. Aber nichts, rein gar nichts, werde ich dagegen unternehmen.

Der Eiswürfel liegt nun also doch auf ihrem Rücken, zwischen ihren Schulterblättern. Meine Hand krallt sich in ihren Haarschopf und zieht ihren Kopf hoch. Welch ein lüsterner, geradezu atemberaubender Anblick, der sich mir hier gerade bietet. Ihre grünen Augen sind gerötet und durchdringen mich buchstäblich, ihre Lippen sind so verführerisch geöffnet.

Langsam ziehe ich ihren Kopf näher zwischen meine Beine.

»Öffnen Sie jetzt bitte meine Hose!«, weise ich sie in leisem Ton an....

 

 

 

Leseprobe:  Retrospektive I:

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..... Die Nummer im Display meines Mobiltelefons war mir völlig unbekannt. Ich öffnete die gerade eingetroffene Textnachricht und las:

‚Der junge Mann am anderen Tisch findet Sie sehr begehrenswert.’

Huch, das ist ja mal eine ganz neue Tour, grinste ich in mich hinein, ohne mir dabei Gedanken zu machen, wie der junge Mann dort zwei Tische weiter denn wohl an meine Handynummer gekommen sein könnte. Ich legte das Telefon, ohne zu antworten auf den Tisch, nippte im Bewusstsein, Publikum zu haben, an meinem Kaffeegetränk und lehnte mich mit meinem perfektionierten Überlegenheitslächeln wieder zurück. Im Schutz meiner Sonnenbrille konnte ich den unbekannten Verehrer nun aus den Augenwinkeln taxieren. Dieser schaute aber noch nicht einmal zu mir in meine Richtung. Sind wir denn so schüchtern, Kleiner? So dachte ich bei mir. Er las scheinbar konzentriert in einer Tageszeitung und tat so, als wäre ich überhaupt nicht da. Was soll das denn für ein Spielchen werden, junger Mann? Mein Handy vibrierte auf dem Tisch. Eine neue Nachricht von der gleichen Nummer. Obwohl ich eigentlich hätte sehen müssen, wenn er eine Nachricht sendet, hatte ich nicht bemerkt, dass er etwas geschickt hatte. Stutzend öffnete ich die Nachricht:

‚Sie werden sich ihm heute noch hingeben.’

Wie bitte, ich glaube ich lese nicht richtig. Wer schreibt mir das hier eigentlich? Will mich hier jemand gehörig verarschen? Ich löschte die letzte Nachricht auf der Stelle und legte das Telefon empört auf den Tisch zurück. Erst jetzt wurde mir langsam bewusst, dass ich wohl wirklich gerade beobachtet wurde, von irgendwo, von irgendwem. Es schauderte mir.

Das Telefon piepte abermals. Ich zitterte plötzlich, ohne dass ich genau sagen konnte wovor. Ich nahm das Handy wieder in die Hand und las:

‚Wehren Sie sich nicht dagegen! Es ist zwecklos. Sie werden sich von ihm ficken lassen. Ich weiß es, und Sie wissen es auch. Sie werden jetzt Ihre Beine spreizen!’

Wutentbrannt warf ich das Telefon auf den Tisch. Ich nahm das Buch in die Hand und las weiter. Ich versuchte zu lesen. Nein, ich las nicht, ich sah Buchstabenfolgen an, ohne einen Sinnzusammenhang zu erfassen. Ich will nicht. Ich wollte nicht, dass mir das Herz pocht, wegen dieser ominösen Nachricht irgendeines Wildfremden. Ich lasse mich doch nicht fernsteuern!

Und ob ich mich fernsteuern ließ......

 

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