Literarischer Coitus Interruptus

Was kommt heraus, wenn ein Gelegenheitsschreiber, ein Deutschkursgeradenochvierenablieferer, ein Gesellschaftsstoffel und Konfrontationsfeigling versucht, von halbwegs beachtetem Kurzgeschichtengeschreibsel den Schritt zu einem richtigen "Kurzroman" zu vollziehen? Ein Erotikroman, der aus nur einem Satz geboren wurde. Ein Roman der keinen Namen nennen sollte.  Eine Story deren Handlung quasi beim Drauflosschreiben entstand, eben keimend aus dem simplen einen Satz.  "...bitte fessel mich!." Ein literatischer Coitus Interruptus. Ein steter Wechsel zwischen mittellangatmigen Traktaten und Unterweisungen in kleinphilosophischen Ansichten des Autors und blumigen Beschreibungen von Gefühlsextremen und Handlungskuriositäten. Eine Gradwanderung zwischen glasklarer Bildbeschreibung, Trivialismus und surrealer Lustmalerei.

 

Manchmal, und dass ist das was mich selbst erstaunt, erhielt ich zu einzelnen Teilen Kommentare von Lesern, die eine von mir beschriebene Szene so passgenau "interpretieren" und kommentieren, dass ich meine eigenen Texte selbst besser verstand, und glaubte der Leser sieht das Geschriebene fast deutlicher vor Augen, als der Autor selbst.

 

Wer eine chronologische Abfolge einer fortlaufenden Handlung erwartet, wird es mit dem Verständnis dieses Buches schwer haben. Ich weiß nicht, ob ich als unbekannter Nobody-Autor das Recht habe, so experimentell zu sein und den Leser vor eine so schwierige Aufgabe, einen Zusammenhang herzustellen, stellen darf. Ich nehme mir dieses Recht einfach heraus. Insofern bin ich begierig zu erfahren, wie die bewusste Irreführung des Lesers, die von Kapitel zu Kapitel erneut geforderte Orientierung über Ort und Zeit der Handlung verstanden wird. 

 

Ich nehme die Gefahr in Kauf, dass der Leser leichter erotischer Unterhaltung die Geduld mit dem Autor nicht bis zur Seite 188 aufzubringen bereit ist. Aber ich glaube, dass derjenige, der sich dieser "Herausforderung" stellt, eine überraschende Vielschichtigkeit entdecken kann und viele offenen Fragen haben wird. Diese Fragen zu hören, das wäre mir ein Wunsch. Und sie werden der Nährboden sein, für einen zweiten Teil der Antworten.  

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0